Neuigkeiten zum Thema Nachhaltigkeit

Ökobilanz: E-Book vs. Buch

Ökobilanz E-book Reader und Printmedien nebeneinander auf dem Tisch

direkter Vergleich: was ist ökologischer?

Der Kampf zwischen E-Book-Reader und traditionellem Buch um die Gunst der deutschen Leser tobt nach wie vor. Aber wer hat im Punkt Nachhaltigkeit die Nase vorn? Wir werfen einen Blick auf die Ökobilanz.

E-Book-Reader haben sich in den letzten Jahren immer stärker als Konkurrenz zum traditionellen Buch etabliert: 2012 liefen schon 9,5% des Umsatzes des deutschen Buchhandels über E-Books, Tendenz steigend. Durch günstigere Preise und ein immer größeres Inventar an digitalen Neuerscheinungen wird der E-Book-Reader auch unter dem Weihnachtsbaum zum Konkurrenten des Buches. Die Diskussion um Für und Wieder der beiden Kontrahenten kreist dabei jedoch um alles Mögliche, wie optische Attraktivität, Haptik, Preis, Platzverbrauch etc. – aber kaum um die Frage nach der Ökobilanz der beiden Medien. Auf den ersten Blick scheint die Sache klar: Bücher sind aus Papier hergestellt – Papier, das oft genug im Raubbau an der Natur und durch die Abholzung lebenswichtiger Wälder gewonnen wird. Also sollte die Ökobilanz eines E-Book-Readers deutlich positiver ausfallen, oder? Nicht unbedingt!

Ökobilanz - wie das Fachbuch abschneidet

Wie viel CO2 steckt in einem Buch?
Die Herstellung von Büchern ist, obwohl noch immer recht energie- und materialintensiv, über die letzten Jahrzehnte eindeutig umweltfreundlicher geworden. Zunehmende Rohstoffkosten und erweiterte Umweltschutznormen sorgen für weniger Verschwendung und Verschmutzung, während technologische Fortschritte im Bereich des Digitaldrucks (keine teuren Druckplatten, Laserdruck mit nur minimalem Ausschuss statt hunderter Seiten ‚Anlaufmakulatur‘) zumindest im Bereich kleinerer Auflagen für eine Reduzierung der Umweltbelastung sorgen. Unter den heutigen Umständen wird so bei der Produktion eines Buches mindestens ein Kilo CO2 freigesetzt. (Diese Belastung ließe sich durch die Anwendung der ganzen Palette möglicher ökologischer Maßnahmen, wie dem Einsatz von FSC- oder PEFC-zertifiziertem Papier und Ökodruckfarben oder durch die energieeffiziente Gestaltung von Gebäuden und Transportwegen, sicher noch weiter herunterfahren, jedoch bieten nur wenige Druckereien diese Optionen). Danach kann ein Buch noch lange, im Durschnitt 12 Jahre, ohne Energieaufwand gelesen, getauscht und gelagert werden.

E-Book-Reader zwischen (Nachhaltigkeits-)Himmel und Hölle
E-Book-Reader stehen zwischen zwei Extremen. Zumindest in ihrer Herstellung sind sie erschreckend umweltbelastend: In der Produktion kommt der durchschnittliche Reader auf einen CO2-Ausstoss von 8-10 Kilo – dabei werden die Umweltkosten der rücksichtslos geförderten Edelmetalle und ‚Seltenen Erden‘ in der Hardware noch gar nicht miteinberechnet. Im täglichen Gebrauch ist der Reader jedoch extrem effizient: Ein E-Book-Reader hat nicht nur Platz für hunderte oder sogar tausende von Buchdateien, moderne Modelle können diese auf sog. ‚eInk‘-Bildschirmen (hohe Auflösung, keine Hintergrundbeleuchtung, nur beim ‚Umblättern‘ wird Strom verbraucht) auch extrem energieeffizient wiedergeben. Das sieht doch gut aus für die Ökobilanz. Leider sind die meisten E-Book-Reader jedoch bei weitem nicht so lange in Gebrauch wie Bücher: Die meisten Geräte werden nur ca. 2 Jahre lang benutzt – ob aus technischem Versagen oder anderen Gründen. Danach kommt wieder das Problem des Recyclings, das sich bei E-Book-Readern ähnlich schwierig und aufwändig gestaltet wie bei anderen Hightech-Produkten.

 

der Ebook Reader im Gebrauch: wie steht es um die Ökobilanz ?

der Ebook Reader im Gebrauch

 

Fazit: Die individuelle Lesemenge macht den Unterschied
Die Nachhaltigkeitsfrage zwischen Buch und E-Book-Reader kann so nicht pauschal entschieden werden – sie hängt ganz von der persönlichen Lesemenge des einzelnen ab. Rein rechnerisch wäre es allerfrühestens ab dem 11. (oder durch die unterschiedliche Überlebensdauer eher 15.) gelesenen Buch pro Jahr umweltfreundlicher, sich einen E-Book-Reader anzuschaffen. Vielleser würden also der Umwelt durch die Anschaffung eines Readers einen Gefallen tun. Der durchschnittliche deutsche Leser muss mit ca. 9 Büchern pro Jahr jedoch noch kein schlechtes Gewissen haben, wenn er sich normale Bücher kauft: Vor allem wenn man gekaufte Bücher auch wirklich liest, tauscht und weitergibt, kann man ihre Ökobilanz noch ein bisschen verbessern – und die Freude am Lesen trotzdem behalten.

Schreibe einen Kommentar

Basic HTML is allowed. Your email address will not be published.

Subscribe to this comment feed via RSS